Interview mit Mentor Elshani - 18.4.2016

Mentor Elshani hat bis zum Sommer 2012 die Schule am Harly in Goslar-Vienenburg besucht.

 

Heute ist er schon 24 Jahre alt und mittlerweile Mitarbeiter bei der Werkstatt der Lebenshilfe Goslar.

Auf der letzten Weihnachtsfeier hat er wieder unsere Schule besucht – nun waren wir an der Reihe und kamen zu ihm zu einem Interview. Was ist in den vergangenen Jahren denn so passiert?


INTERVIEW am 18.3.2016

Hallo Herr Elshani, oder darf ich noch „Du“ und „Mentor“ sagen?

Mentor, na klar!

Tja, Mentor, ich habe gerade Ferien – du nicht?

Nein, ich nicht, ich habe aber ab Montag Urlaub.

Ach, es gibt für dich keine festen Ferienzeiten?

Nein, hier nehmen wir Urlaub. Wir kriegen Anfang des Jahres Urlaubspläne. Darin stehen die Zeiten, in denen wir Urlaub nehmen können. Ich nehme jetzt zu Ostern ein paar Tage frei.

Wieviele Urlaubstage hast du denn im Jahr?

Ohne Behindertenausweis hat man 30 Tage im Jahr für Urlaub. Mit Behindertenausweis sind es 35 Tage, egal ob du Merkzeichen im Behindertenausweis hast oder welche.

Das klingt ja gar nicht schlecht, insgesamt hast du also 7 Wochen im Jahr frei. Aber kommen wir vom Thema Freizeit zum Thema Arbeit: Was kam nach der Schule?

Naja, es war am Anfang nicht ganz leicht. Ich war wirklich gern in der Schule, und die Erinnerungen bleiben immernoch. Ich hatte erstmal sehr lange Ferien, und Anfang September habe ich dann hier bei der Lebenshilfe angefangen – bei Jürgen Thiele, im Bereich Holz. Da war ich im ganzen Berufsbildungsbereich, also 2 Jahre.

Ach was, ich dachte, man probiert in der Zeit ganz verschiedene Bereiche aus?

Ja, ich habe auch ein Praktikum in der großen Tischlerei gemacht, also im Arbeitsbereich. Da gibt es auch ganz andere, große Maschinen. Ich habe aber gemerkt, dass die Tischlerei nichts für mich war, auch wenn es mir dort schon gefallen hat.

Und wo arbeitest  du jetzt?

Ich arbeite in der Leichtmontage.

Ist das jetzt noch im Berufsbildungsbereich, oder bist du nun ein richtig angestellter Arbeiter dort?

Ich bin jetzt ein richtiger Angestellter, der Berufsbildungsbereich ist nun zu Ende, da gibt es auch kein Zurück mehr. Die Ausbildung ist nun vorbei.

Ich weiß, im Berufsbildungsbereich bekommt man ja schon Geld. Was hast du mit deinem ersten selbstverdienten Geld gemacht?

Daran kann ich mich nicht erinnern, aber ich musste erstmal zur Sparkasse. Denn ich brauchte ein Konto, da kommt dann immer das Geld hin. Geld bekomme ich von der Arbeit, aber auch vom Sozialamt.

Du hast dir also nichts Besonderes vom ersten Geld gekauft?

Nein nein, so bin ich nicht, ich spare. Ich gebe es dann aus, wenn ich zum Beispiel in der Stadt bin, oder zum Friseur gehe, oder mir einen schönen Tag mache. Heute fahre ich nach der Arbeit nach Goslar, da lasse ich meine Brille reparieren, und ich will auch etwas shoppen.

Also um solche Sachen wie deine Brille kümmerst du dich nun selbst?

Ja, klar! Ich kümmere mich selbst um sowas, keiner kommt mir hinterher und macht das für mich, das kann ich selbst.

Hat sich bei dir nach der Schule da noch viel entwickelt, bist du selbstständiger geworden?

Ja, also selbstständig alleine wohnen noch nicht. Ich mache viel mehr selbst, auch selbstständig in die Stadt fahren und wieder zurück. Meine Mutter muss sich da keine Sorgen machen oder mich fahren. Und wenn ich mich mal verspäte, habe ich mein Handy und sage zu Hause ausHaBescheid. Da ist noch nie was schiefgelaufen.

Du wohnst also weiter bei deinen Eltern. So ein Arbeitstag ist natürlich sehr anstrengend – hilfst du dann auch noch zu Hause im Haushalt?

Ja, also zum Beispiel wenn ich morgens aufstehe mache ich mein Bett ordentlich, mache mir mein Frühstück, koche Kaffee und so weiter. Nur manchmal macht das auch meine Mutter.

Naja, ich kenne dich ja noch aus der Schule, den Abwasch zum Beispiel hast du da ja nicht so gern gemacht…

Abwasch, naja, da hat meine Mutter gleich gesagt „Abwasch kannst du sofort sein lassen – ich will nicht, dass du dich bei mir in der Küche einmischt“. Sie macht das gern, auch die Wäsche.

Haha, da hast du aber Glück! Da kann ich verstehen, dass du gern zu Hause wohnst. Ist es für dich eigentlich ein Ziel, irgendwann auszuziehen, eine eigene Wohnung zu haben?

Nein, ich habe gedacht, ich bleibe länger zu Hause, ich kann meine Eltern nicht im Stich lassen. Ich kann natürlich auch ausziehen, wenn ich will, aber in unserer Familie ist das anders, da ist das eine andere Tradition. Bei manchen Sachen brauche ich auch noch Hilfe – ich kann mir zum Beispiel meinen Wecker stellen, das ist kein Problem, aber es ist besser, wenn mich jemand früh weckt, sonst gibt es ein bisschen Dramatik J

Okay, zurück zum Thema Arbeit. Du wirst mich ja gleich noch etwas herumführen – aber was heißt eigentlich „Leichtmontage“, was wird da gemacht?

Also hier werden Clipse gemacht, Befüllkanäle und Fügevorrichtungen für BMW, Halter mit Stützen, da werden Deckel angebaut für Behälter in Krankenhäusern, in die gebrauchte Spritzen reinkommen und so weiter. Also immer Dinge, die irgendwie zusammengebaut werden. Wir haben dafür auch ein paar große Geräte, aber eigentlich macht man vieles mit der Hand. Deshalb heißt es „Leichtmontage“.

Ist die Arbeit selbst dann auch leicht?

Nein, manchmal ist es kompliziert und man muss ganz genau arbeiten. Ich arbeite zum Beispiel an unserer Waage, das ist eine besondere Arbeit, die macht hier nicht jeder. Ich muss die Waage immer wieder einstellen, dann kann sie genau zählen, wieviele Deckel ich in die Kiste packe. Die Zahl muss immer genau stimmen, von der einen Sorte müssen es immer genau 3200 auf einer Europalette sein. Ich bin schon sehr stolz, dass ich in diesen Bereich gekommen bin.

Du möchtest also nicht mehr den Bereich wechseln, auch wenn man das bei der Lebenshilfe ja kann – es gibt ja noch andere spannende Arbeiten hier?

Nein, ich möchte hierbleiben. Ich fühle mich hier sehr gut, auch die Mitarbeiter sind sehr nett.

Ich habe gehört, du hast vorhin noch etwas ganz besonderes gemacht. Ich wollte ja eigentlich schon eher zum Interview kommen, aber da wurde gesagt, „da hat Herr Elshani noch was vor“ – was denn?

Jaaa, ich habe vor kurzem mit der Prüfung zum Gabelstapler-Führerschein angefangen, das mache ich bei Andreas Bokemüller, der macht das sehr gut mit mir. Er erklärt mir alles zum Thema Sicherheit, was man machen darf und was nicht, wobei man sehr vorsichtig sein muss, worauf man achten muss. Das ist so wie beim Auto-Führerschein.

Das heißt also, wenn ich später mal sage „Mensch Mentor, wir kennen uns doch, nimm mich mal ein Stück auf deinem Gabelstapler mit…“

Nein nein, das mache ich nicht, das ist gefährlich. Das habe ich in der Theorie gelernt, letzte Woche habe ich mit Fahren angefangen. Erst mit dem Automatik-Gabelstapler, und heute sind wir mit dem großen gefahren. Erstmal Slalom ohne Beladung, danach dann mit einer Palette. Es klappt schon sehr gut, ich muss aber noch ein bisschen üben. Andreas Bokemüller ist mit mir sehr zufrieden, er sagt „du schaffst das schon“. Ich gebe mir sehr viel Mühe und will auch von ihm etwas lernen, er hilft mir sehr gern. In diesem Jahr soll noch Prüfung sein.

Das ist dann natürlich etwas ganz besonderes, eine sehr wichtige Arbeit.

Ja, wir haben hier auch nur einen jungen Mann, der das kann, aber wenn der krank ist, ist keiner da, der das kann. Wenn dann Joachim, das ist mein Chef hier, mich fragt, „Mentor, kannst du das machen“, dann kann ich die Paletten fahren. Ohne den Führerschein geht das nicht. Die Unterweisungen für den Hubwagen habe ich schon bestanden, auch die für die Ameise, das ist ein ähnliches Gerät, aber schon mit einem Motor.

Nun, danke für das Interview – jetzt wollen wir das alles aber auch mal sehen. Zeig uns doch bitte deinen Arbeitsbereich.